Lookout Inn Lodge  

Stadt-Dschungel-Jane im Affenhaus

NZZ ONline article about Lookout Inn Lodge
From this NZZ Online Article
August 7, 2008


Im Lookout Inn im Corcovado-Nationalpark von Costa Rica lebt der Gast in hautnahem Kontakt zur Natur

In Carate, eingangs des Corcovado- Nationalparks in Costa Rica, liegt, eingebettet zwischen Dschungel und Meer, das Lookout Inn, in dem sich Affe und Mensch gute Nacht sagen.

Lookout Inn Lodgesgi. Schlaglöcher und Steinbrocken übersähen die Strasse nach Carate auf der Osa Pensinsula. Unüberschaubare Kurven, kaum befahrbare Steilhänge und zahlreiche Bachdurchquerungen unterwegs erschweren die 45 Kilometer lange Fahrt von Puerto Jiménez aus. Als der Taxifahrer nach eineinhalb Stunden und zwei Dritteln der Strecke abrupt hält, befürchte ich deshalb Unangenehmstes. Ein Motorschaden, ein Erdrutsch, das unvorhersehbare Ende der Schotterstrasse! «Da, schau, eine Abgottschlange», sagt Federico und beruhigt meine Phantasie. Ihr Haupt ist gegen die Sonne gerichtet, ihr drei bis vier Meter langer, gewundener Körper versperrt uns die Weiterfahrt. Erst nachdem ich sie fotografiert und im Auto wieder Platz genommen habe, gleitet das Raubtier über die Strasse und verschwindet im Unterholz. Eine halbe Stunde später ist die Würgeschlange vergessen, verdrängt von der Ankunft im Lookout Inn.

Gemischte Gefühle

«Hey, Kid», begrüsst mich ein hagerer Mann mit weissem, am Hinterkopf zusammengeknotetem Stirnband und zerrissenem T-Shirt. Kid? «Du verbringst also eine Woche im <Affenhaus>?» Seine Augen funkeln. «Genau», sage ich energisch, um Konsternation einerseits und Nervosität andererseits zu verbergen. Auf der Website heisst es über das Lookout Inn: «Für äusserst Abenteuerliche, die den Dschungel aus nächster Nähe erleben wollen.» Das «Affenhaus» liegt idyllisch am Hang, entfernt von den restlichen acht Unterkünften. Grund genug, für eine allein reisende Jane aus dem Städte-Dschungel, die Affen nur aus dem Zoo kennt, ein wenig nervös zu sein. «Du wirst es lieben!», schwärmt der Mann wohlwollend, als könne er Gedanken lesen. Dann streckt er mir die Hand entgegen, stellt sich als der Besitzer Terry Conroy vor, grinst und packt mich sogleich am Oberarm. «Aber zuerst muss ich dir etwas anderes zeigen!»

Terry zerrt mich eine knapp einen Meter breite Holztreppe hinab in Richtung Pool, Garten und Meer. Pflanzen, deren Blüten wie Kerzen emporflammen, säumen die Stufen. Hellrote Aras kreisen kreischend über unseren Köpfen. Auf halbem Weg gabelt sich die Treppe. Wir gehen links, worauf Terry anfängt, stolz von seinem neuesten Bau zu erzählen, dem sogenannten Spa. «Schau dir nur die Aussicht an – quasi eine Freiluft-Yoga-Plattform mit Blick auf den Pazifik! Oh, und das Bett, das hängt an Seilen – ein schwingendes Bett! Ist das nicht der Wahnsinn, Kid?» Hinter dem Bett, gegen den Hang, lehnt sich die einzige durchgehende Wand. Der Rest des Holzbaus ähnelt einer überdachten Terrasse mit Blick auf den mit Kokospalmen bestückten Strand. Geduscht wird auf einem angrenzenden Balkon, wo sich auch Toilette und Lavabo befinden. Statt Wänden schützen Hibiskus-Sträuche, Feigenbäume und Bananen-Palmen vor neugierigen Blicken.

Ungewöhnlich ist auch der Eingang. Denn während jede der neun Unterkünfte einzigartig gebaut ist und traumhafte Aussichten aus unverglasten Fensterrahmen bietet, kommt der Spa gar ohne Eingangstür aus. Nur eine Kette versperrt dem unerwünschten Besucher den Eintritt, vorbei an dem schattigen Vorplätzchen mit einer im Boden versenkten Sitzwanne.

Diese Wellness-Oase im Dschungel ist vorläufig Terrys letzter Streich. Seine Küche sei nicht gross genug, um mehr als um die zwanzig Gäste zu beherbergen, sagt er. Die Intimität der Besucher der auf rund vier Hektaren verteilten Hütten bleibt gewahrt. Strenge Bauvorschriften und -vorgaben verbieten zudem das unkontrollierte Verbauen des geschützten Regenwaldes auf der Peninsula. Massentourismus wie er im Norden Costa Ricas üblich ist, gibt es hier vorerst nicht.

Map of the Osa PeninsulaAls ich nach Terrys Hoteltour endlich das «Affenhaus» erstmals betrete, bin ich ausser Atem: Eine nicht weniger als vierzig Stufen lange Holztreppe führt zu meinem Hochsitz, einem bei Weissgesicht-Kapuzineraffen beliebten Catwalk. Der Pfahlbau steht schräg zum Hang und überthront den Hauptbau und die restlichen Unterkünfte des Lookout Inn. Im Türrahmen bleibe ich stehen, und es scheint mir, als sei ich soeben auf eine Bühne getreten. Alles ist offen, die einzige Wand mit der Eingangstür wirkt wie eine Kulisse. Nur die den Bau umrahmenden Holzgeländer unterbrechen den freien Blick auf den Pazifik und den Urwald. Ein Schreibtisch, ein Sofa und zwei Sessel aus Edelholz erlauben es, sich hinzusetzen und zu beobachten. Wie ich nach wenigen Tagen bemerke, schlemmen die Affen jeweils morgens und abends auf den umliegenden Bäumen Beeren oder Bananen. Nasenbären stochern mit ihren weissen Schnauzen dagegen zu jeder Tageszeit im Laub.

Vor Sonnenuntergang beginnt im Lookout Inn die Happy Hour. An der Bar im ersten Stock des Hauptbaus treffen sich die Gäste und berichten einander von ihren Erlebnissen. Je mehr der von Terrys einheimischer Frau Katja gemixten Margaritas getrunken sind, desto abenteuerlicher werden die Geschichten. Ein Notarzt aus Toronto, der gern mit seinen mitgebrachten Anwalts- und Zahnarzfreunden vor Wanderungen einen Joint raucht, erzählt von einer Attacke von Mantel-Brüllaffen. «Die warfen Äste und Feigen nach uns», sagt er. «Dabei schauten wir ihnen nur zu, wie sie brüllend von Ast zu Ast sprangen.» Die Jungfernnacht im «Affenhaus» vor mir, wende ich mich skeptisch an Terry: «Wurde ein Gast im Lookout Inn jemals angegriffen? Schleichen sich nachts Schlangen und Skorpione ins Haus?» Terry nippt an seinem Drink. «Das Gefährlichste bin ich nach einem Wodka Shot zu viel.» Schelmisches Grinsen. «Keine Bange, Kid, die grösste Gefahr sind die herabfallenden Kokosnüsse. Im Ernst!»

Nach Wasser graben statt nach Gold

Und Terry muss es ja wissen. Seit 1996 lebt der Mittfünfziger aus dem US-Bundesstaat New York in Carate. Damals begannen er und seine frühere Freundin mit dem Bau ihres Traumhauses. Währenddessen hauste das Paar ohne fliessendes Wasser in einer Hütte im Garten, wo heute die Angestellten untergebracht sind. Auf die Idee eines Hotels kamen nicht sie selbst, sondern ein Goldgräber aus Kalifornien, der ihnen beim Planen geholfen hatte. Statt nach Gold grub Terry nach Trinkwasser, statt eines lärmenden Generators installierte er Solar- und Windenergieanlagen. Dank diesen können die Gäste tagsüber auch das Wi-Fi-gesteuerte Internet nutzen – die einzige Verbindung zur Aussenwelt.


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The Lookout Inn Lodge

Osa Peninsula Beach Rainforest Eco Lodge Accommodations
Carate - Peninsula de Osa, Puntarenas, Costa Rica
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